12.06.2018: BCBS erhöht die Offenlegungspflichten für die Säule 3 für Banken.

Offen gelegte Karten

Am 27. Februar 2018 eröffnete der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basel Committee on Banking Supervision, BCBS) die Konsultation zum Rahmenwerk für Offenlegungsanforderungen für die Säule 3. Mit der Säule 3 des Basler Rahmenwerks wird das Ziel verfolgt, die Marktdisziplin durch aufsichtsrechtliche Offenlegungspflichten zu fördern. Das gegenwärtig veröffentlichte Konsultationspapier des BCBS stellt die dritte Phase der Überarbeitung und Weiterentwicklung der bereits bestehenden Offenlegungsanforderungen (BCBS 432) dar. Es enthält sowohl neue als auch überarbeitete Anforderungen.

Welche neuen Anforderungen müssen Kreditinstitute in Zukunft erfüllen?

Es wird eine neue Vorlage eingeführt, die Kreditinstitute verpflichtet, Informationen über ihre belasteten und unbelasteten Vermögenswerte (Asset Encumbrance) offenzulegen. Kreditinstitute müssen zudem Informationen zu Kapitalverteilungsbeschränkungen (Capital Distribution Constraints) veröffentlichen. Ferner wurden neue Anforderungen an das Benchmarking der risikogewichteten Aktiva (Risk-Weighted Assets, RWA) von Kreditinstituten eingeführt. Damit können in Zukunft die RWAs, die durch interne Modelle ermittelt wurden, mit RWAs verglichen werden, die mithilfe des Standardansatzes berechnet wurden.

Die bisherigen Offenlegungsanforderungen wurden für die Bereiche Kreditrisiko, operationelles Risiko, Verschuldungsquote (Leverage Ratio) sowie für die Kreditbewertung (Credit Value Adjustment, CVA) angepasst.

Die Konsultationsphase endete am 25. Mai 2018. Der Basler Ausschuss bat einerseits um die Einsendung von Kommentaren bezüglich des veröffentlichten Konsultationspapiers und andererseits um Rückmeldung zum Anwendungsbereich der Offenlegungsanforderungen im Hinblick auf die Zusammensetzung des regulatorischen Eigenkapitals, die im März 2017 eingeführt wurden.

Organisationen wie die Deutsche Kreditwirtschaft nahmen diese Gelegenheit wahr. In ihrer Stellungnahme erkannte die Deutsche Kreditwirtschaft an, dass die Sammlung und Darstellung von bedeutungsvolleren Informationen durch die Institute im Säule-3-Bericht sinnvoll ist. Insgesamt wird jedoch bemängelt, dass die neu geforderte Informationsdichte, zum Beispiel für operationelle Risiken, viel zu hoch ist und die Kreditinstitute möglicherweise dadurch überfordert werden.

Außerdem stellt die Deutsche Kreditwirtschaft die Frage der Proportionalität. Kleinere und mittlere Institute müssen im bestimmten Rahmen dieselben Anforderungen erfüllen, die an große Kreditinstitute gestellt werden. Dies bringt einige Nachteile mit sich. Als Vergleich wird herangezogen, dass der Säule-3-Bericht ungefähr den Umfang eines Jahresabschlussberichtes angenommen hat. Demgegenüber belegen niedrige Downloadzahlen und geringe Anfragen von Analysten, dass im Grunde äußerst wenig Interesse an diesen Berichten besteht. Die Deutsche Kreditwirtschaft ist der Meinung, dass die gewünschte Transparenz nicht durch einen erweiterten Berichtsumfang und einer höheren Informationsdichte geschaffen wird, sondern durch die gezielte und klare Darstellung der geforderten Offenlegungen. Entsprechend schlägt sie als Lösung vor, herauszufiltern, welche Nutzergruppen existieren und welche Informationen die Nutzer in welchem Komplexitätsgrad benötigen.

Als weiteren Punkt bemängelt die Deutsche Kreditwirtschaft, dass die neuen Anforderungen bewirken, dass Informationen preisgegeben werden, die von den Banken als sensibel einzustufen sind, zum Beispiel bei operationellen Risiken. Um diese wettbewerbsrelevanten Informationen zu schützen, wird die bestehende Leitlinie zur Wesentlichkeit, zu Geschäftsgeheimnissen und vertraulichen Informationen sowie zur Häufigkeit der Offenlegung von der EBA als Lösung angeführt, in welcher gestattet ist, bestimmte Informationen der Finanzberichtserstattung selbst als materiell relevant einzustufen.

Generell bemängelt die Deutsche Kreditwirtschaft, dass der Zeitrahmen für die Umsetzung speziell im IT Bereich zu kurz angesetzt wurde. Die Berichterstellungsfrequenz wird zudem als zu hoch angesehen, da sich viele Informationen nur geringfügig ändern. Von 23 Berichten sind geplant acht jährlich, neun halbjährlich und sechs vierteljährlich einzureichen. Zusätzliches Personal müsste dazu eingestellt werden. Das gleichzeitige Erstellen mit dem Jahresabschlussbericht ist außerdem nachteilig, da Daten aus dem Säule-3-Bericht auf Daten der Finanzberichterstattung basieren. Als Lösung für das letzte Problem wird ein vierwöchiger Abstand beider Berichte vorgeschlagen.

Den Vorschlag des Basler Ausschusses bezüglich des Benchmarkings der RWAs lehnt die Deutsche Kreditwirtschaft kategorisch ab und schlägt vor, diesen Teil komplett zu löschen. Als Begründung wird angeführt, dass der Markt vorausschauend agiert und somit die geforderten Informationen zum Nachteil der Banken nutzen kann.

Schließlich hinterfragt die Deutsche Kreditwirtschaft kritisch die Offenlegung bestimmter Informationen zur Gewinnausschüttung, da sensible Daten aus der Säule 2 dazu preisgegeben werden müssten.

Inwieweit die neuen Anforderungen aus dem Konsultationsdokument tatsächlich umgesetzt werden, bleibt offen. Es werden sich höchstwahrscheinlich Änderungen ergeben. Trotz alledem werden die aus dem Konsultationsverfahren resultierenden Offenlegungsanforderungen für die betroffenen Kreditinstitute spätestens ab Januar 2022 gelten.

Die aufgeführten Neuerungen zeigen exemplarisch, dass signifikante Änderungen hinsichtlich der Offenlegungspraxis auf die Kreditinstitute zukommen werden. Auch wenn die Erstanwendung erst ab Januar 2022 gelten wird, sollten die Kreditinstitute in Anbetracht der gesteigerten Komplexität der neuen Offenlegungen den Zeitraum für die Vollumsetzung der neuen Anforderungen optimal nutzen. impavidi unterstützt Ihr Kreditinstitut sowohl bei der fachlichen Konzeption von Offenlegungsberichten, als auch bei der Definition von Prozessen und Datenquellen, um die neuen Offenlegungsanforderungen zu erfüllen.


 

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