02.07.2018: Outsourcing - Banken und FinTechs, zwischen Kooperation und Herausforderungen

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Im Juni 2018 veröffentlichte der Bankenverband das Positionspapier „Banken und FinTechs beziehen Stellung – Stichwort Outsourcing“. Um die Zusammenarbeit zwischen Banken und FinTechs zu fördern hat der Bankenverband den Projektausschuss Digital Banking ins Leben gerufen, um das Thema Digitalisierung unter Verantwortung der Chief Digital Officer der Banken und führenden Köpfen der FinTech-Szene voranzutreiben. Das aus der bisherigen Zusammenarbeit entstandene Positionspapier befasst sich mit identifizierten Reibungspunkten zwischen Banken und FinTechs und zeigt mögliche Lösungsansätze auf.

Banken unterliegen bei der Zusammenarbeit mit Drittunternehmen komplexen, aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Insbesondere im Hinblick auf Auslagerungen von Dienstleistungen müssen die Anforderungen der BAIT und MaRisk erfüllt werden (siehe Artikel vom 31.05.2017 „Auslagerung von Unterstützungsleistungen zu Kernkompetenzen ist auch innerhalb der aktuellen MaRisk möglich“). Daraus ergeben sich bei der Zusammenarbeit mit FinTechs diverse Herausforderungen. Sie stehen beispielsweise vor dem Problem, dass sich gewohnte Verfahren im Auslagerungsmanagement nicht auf die Zusammenarbeit mit FinTechs übertragen lassen. Gleichzeitig haben diese wenig Erfahrung mit bankenspezifischen Anforderungen im Auslagerungsmanagement. Eine Ursache dafür stellt die individuelle Auslegung der regulatorischen Anforderungen der einzelnen Institute dar, wodurch FinTechs kontinuierlich mit neuen Gegebenheiten konfrontiert werden. Somit entsteht zusätzlicher Aufwand, um Dienstleistungen sowie interne Strukturen anzupassen. Da sich die Anforderungen jederzeit auch ändern können, kann es vorkommen, dass das zu entwickelnde Produkt zu einem späteren Zeitpunkt in der Entwicklungsphase erneut angepasst werden muss.

Als Lösung planen Banken und FinTechs Leitlinien, durch welche nicht-leistungsspezifische, bankenaufsichtliche Anforderungen vereinheitlicht werden sollen. Durch die Standardisierung über alle auslagernden Unternehmen hinweg könnten FinTechs interne Strukturen aufbauen und anpassen.

Ein weiteres Problem zeigt sich bei der unterschiedlichen Arbeitsweise der Parteien. Banken haben eine etablierte und traditionelle Dienstleistungssteuerung. FinTechs hingegen stützen sich auf eine agile Arbeitsweise in Teilschritten, von der abstrakten Idee bis hin zum fertigen Produkt. Trotzdem greifen bei der sukzessiven Einführung einzelner Teilschritte zu Testzwecken schon umfangreiche regulatorische Pflichten. Diese übersteigen – gerade zu Beginn der Entwicklung – die tatsächlichen Risiken noch deutlich. Ergo: Die Herausforderung der unterschiedlichen Arbeitsweisen besteht nicht nur in Bezug auf die Methoden des Auslagerungsmanagements, sondern auch in der agilen Entwicklungsmethode der FinTechs sowie in den Dokumentationsprozessen der Banken, beispielsweise im Neue-Produkte-Prozess.

Oftmals können FinTechs die institutsspezifischen Anforderungen erst mit der Markteinführung des Produkts erfüllen. Das führt zu einer Verlangsamung der Entwicklungszyklen und Markteinführungen. Eine Ursache hierfür ist, dass FinTechs oft sowohl kleine als auch junge Startups sind, die über wenige Ressourcen verfügen. So fehlt häufig das benötigte Personal in Bereichen wie Informationssicherheit. Daher schlägt der Bankenverband vor, dass am Anfang der Zusammenarbeit festgelegt werden sollte, welche Anforderungen zu welchem Zeitpunkt der Entwicklung des Produktes zu erfüllen sind, wodurch sich FinTechs besser auf die Zusammenarbeit mit Banken einstellen können.

Der Bankenverband stellt zudem fest, dass die Zusammenarbeit von Banken und FinTechs oft grenzüberschreitend ist. Das Problem hierbei ist, dass sich FinTechs in jedem Land an abweichende aufsichtsrechtliche Regelungen halten müssen. Der Verband fordert daher mehr vergleichbare Standards in den Ländern. Es müsste also ein institutionalisierter Austausch von Gesetzgebern und Regulierungsbehörden mit den Banken und FinTechs stattfinden.

Der Bankenverband verfolgt das Ziel, die Zusammenarbeit von Banken und FinTechs effizienter zu gestalten, indem aus den oben genannten Leitlinien ein Zertifikat für FinTechs entwickelt werden soll. Dadurch wird der Prüfungsauswand zu Beginn der Kooperation möglichst geringgehalten.

Die Idee eines Zertifizierungsvorschlags begrüßen wir. Dies würde dazu führen, dass FinTechs sich auf dem gleichen Niveau bezüglich regulatorischer Anforderungen bewegen. Gleichzeitig bedeutet es mehr Rechtssicherheit. Der Entwicklung einer besseren Zusammenarbeit zwischen Banken und FinTechs stehen wir daher positiv gegenüber. Die gegenseitige Unterstützung bietet großes Potential. Wir stehen Ihnen hierzu mit unserer Expertise gerne zur Seite.


 

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